
Launer, Ekkehard (Redaktion): Zum Beispiel Zucker (Lamuv Taschenbuch, 240). - 1.
Aufl. 1998. 144 S. mit zahlr. Abb. - 18 x 11,5 cm. Kt (Lamuv Verlag, Göttingen)
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Infos über den Zucker (2)
Was ist Zucker?
Einem Chemiker sollte man als Laie nichts von Zucker erzählen. Wie aus der Pistole geschossen wird er
nämlich zurückfragen: »Was für einen Zucker meinen Sie? Triosen, Tetrosen, Pentosen, Glukosen, Disaccharide,
Polysaccharide oder gar etwa Saccharate?«
Der Mann hat natürlich recht. Denn keineswegs aus jedem
Zucker läßt sich auch eine Torte backen. Rein chemisch betrachtet, sind Zuckerstoffe Angehörige einer
Gruppe von Kohlehydraten, oder wie es »Meyers Lexikon« präziser zu definieren weiß »kristalline,
wasserlösliche, meist süß schmeckende Kohlehydrate aus den Reihen der Mono- und Oligosaccharide«. Das klingt
freilich etwas kompliziert, erklärt aber immerhin die Tatsache, daß Zuckerkranke keinesfalls zu viele
Zuckerln oder Mehlspeisen gegessen haben müssen, sondern insgesamt zu viele Kohlehydrate zu sich genommen
haben.
Eine Kulturgeschichte des Zuckers braucht jedoch nicht allzulange bei der Chemie zu verweilen
(auch wenn diese dennoch immer wieder die ihr in der Praxis zukommende Rolle spielen wird), sie kann sich
vielmehr auf ein einziges Produkt aus der Zuckergruppe konzentrieren, nämlich die Saccharose,
jenen geheimnisvollen Nährstoff, der zwar in allen Grünpflanzen vorkommt, aber in unserem Zusammenhang
ausschließlich aus zwei Pflanzen gewonnen wird: dem Zuckerrohr und der Zuckerrübe.
Saccharose ist,
etwas verallgemeinernd gesprochen, das, was die Hausfrau in verschiedensten Ausführungen in der Zuckerdose
hat und was man daher populärwissenschaftlich auch als Haushaltszucker bezeichnet. Er wird mittels
Photosynthese, also unter Mitwirkung von Sonnenstrahlen und Chlorophyll, aus den Elementen Kohlenstoff,
Wasserstoff und Sauerstoff erzeugt. Von den grünen Pflanzen dieser Erde werden einer vorsichtigen Schätzung
zufolge jährlich rund 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Zuckerstoffe verwandelt, wobei die chemische
Energie, die von den Pflanzen dabei gespeichert wird, rund zwei Trillionen Kilokalorien entspricht. Als
Zuckerspeicher ganz besonderer Art haben sich dabei die Stengel des Zuckerrohrs und die Wurzel der Runkel-
beziehungsweise Zuckerrübe erwiesen. Doch was für die Natur letztlich nichts anderes als ein wichtiger
Bestandteil des Bauplans aller Lebewesen ist, endet im Fall der Saccharose schließlich - je nach
Weiterverarbeitung - als Kristallzucker, Staubzucker, Würfelzucker, Kandiszucker, Vanillezucker oder
Einsiedezucker im Küchenregal.
Wagner, Christoph: Begriff Zucker. In: Launer, Ekkehard (Redaktion): Zum
Beispiel Zucker. Göttingen 1998, Seite 15-16.





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Diese Seite wurde zuletzt aktualisiert am 24.09.2008